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Kapitel 04 · Altersvorsorge

Rente ist später. Dein Plan dafür nicht.

Du musst heute noch nicht wissen, wie dein Leben mit 67 aussieht. Aber du solltest wissen, welche Ansprüche du schon hast, was sie später ungefähr wert sind und welche Entscheidungen noch offen sind.

Drei ThemenOhne PanikrechnungOhne pauschale Produktempfehlung

Altersvorsorge bedeutet nicht, dein Leben für die nächsten 40 Jahre exakt vorherzusagen. Es bedeutet, vorhandene Ansprüche sichtbar zu machen, Annahmen ehrlich zu benennen und deinen Plan regelmäßig an dein Leben anzupassen.

01 · Erst sammeln, dann rechnen

Was du hast. Was du brauchst. Was offen ist.

Die Altersvorsorge wird häufig in drei Säulen aufgeteilt. Das ist ein guter Überblick – aber keine Einkaufsliste. Du brauchst nicht automatisch in jeder Säule einen neuen Vertrag. Entscheidend ist, was bei dir bereits vorhanden ist und wie die Bausteine zusammenspielen.

GesetzlichZum Beispiel Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder berufsständischen Versorgung.
BetrieblichLeistungen über den Arbeitgeber, etwa eine Direktversicherung oder andere Durchführungswege.
PrivatEigene Verträge, Depots, Immobilien und weitere Vermögenswerte für später.

Hol deine Zahlen aus den Unterlagen

Renteninformation

Sie zeigt bisher erworbene Ansprüche und Hochrechnungen der gesetzlichen Rente. Prüfe auch deinen Versicherungsverlauf.

Betriebsrente

Leistungsinformation, Arbeitgeberzuschuss, Kosten und Bedingungen findest du beim Versorgungsträger oder Arbeitgeber.

Private Verträge

Notiere aktuellen Wert, Beiträge, garantierte und nicht garantierte Leistungen, Kosten und Verfügbarkeit.

Digitaler Überblick

Die Digitale Rentenübersicht kann Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge gebündelt anzeigen.

Brutto ist nicht netto. Später ist nicht heute.

Eine ausgewiesene Leistung sagt noch nicht automatisch, wie viel dir später zum Leben bleibt. Steuern, mögliche Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie die künftige Kaufkraft können das Ergebnis verändern. Außerdem beruhen Hochrechnungen auf Annahmen, die sich ändern können.

Mach aus einer Prognose keine Zusage.

Renteninformationen und Standmitteilungen sind wichtige Planungsgrundlagen. Sie sind aber nicht in jedem Punkt eine garantierte Nettozahlung in heutiger Kaufkraft.

Deine Versorgungslücke – ohne Schockzahl

Überlege zuerst, welches monatliche Budget du im Ruhestand in heutiger Kaufkraft ungefähr brauchst. Ziehe davon die voraussichtlichen verfügbaren Einkünfte ab. Das Ergebnis ist keine endgültige Wahrheit, sondern eine Orientierung für deinen nächsten Schritt.

BudgetWas möchtest du später monatlich ausgeben?
EinkünfteWas kommt voraussichtlich aus allen Quellen?
LückeWelcher Betrag bleibt unter deinen Annahmen offen?

Rechne am besten mehrere Szenarien: vorsichtig, mittig und optimistisch. So siehst du, welche Annahmen deinen Plan besonders stark beeinflussen.

Dein Vorsorge-Überblick in fünf Schritten

  1. Renteninformation und Versicherungsverlauf prüfen.
  2. Betriebliche und private Ansprüche zusammentragen.
  3. Späteres Monatsbudget in heutiger Kaufkraft schätzen.
  4. Steuern, mögliche Sozialabgaben und Inflation mitdenken.
  5. Mit mehreren Szenarien statt nur einer Zahl arbeiten.
02 · Förderung, Kosten und Freiheit

Nicht jeder Baustein passt zu jedem.

Altersvorsorge ist mehr als die Frage, welcher Fonds im Vertrag steckt. Förderung, Kosten, Garantien, Flexibilität, Steuern und die spätere Auszahlung gehören immer mit in den Vergleich.

Betriebliche Altersvorsorge

Kann durch Arbeitgeberbeiträge oder Entgeltumwandlung aufgebaut werden. Prüfe Zuschuss, Kosten, Arbeitgeberwechsel und Belastungen in der Auszahlungsphase.

Private Rentenversicherung

Kann eine lebenslange Rente absichern. Anlage, Garantien, Rentenfaktor, Kosten, Kapitaloption und Kündigungsfolgen unterscheiden sich je nach Vertrag.

Basisrente

Kann unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich gefördert sein. Das Kapital ist dafür langfristig gebunden und grundsätzlich auf eine lebenslange Rentenzahlung ausgerichtet.

Freies Depot

Ist meist flexibel verfügbar und transparent. Es schwankt mit den gewählten Anlagen und sichert für sich allein keine lebenslange Auszahlung.

Ein ETF macht noch keinen guten Vertrag.

Auch bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung zählen Abschluss-, Verwaltungs- und Fondskosten, Vertragsregeln und Auszahlungsbedingungen. Genauso ist ein Depot nicht automatisch passend, nur weil es flexibel ist.

Betriebsrente: Zuschuss ist wichtig, aber nicht alles

Eine Beteiligung des Arbeitgebers kann die betriebliche Altersvorsorge attraktiver machen. Trotzdem lohnt sich der Blick auf den ganzen Vertrag: Wie hoch ist der tatsächliche Zuschuss? Welche Kosten fallen an? Was passiert beim Arbeitgeberwechsel? Und welche Steuern oder Sozialabgaben können später anfallen?

Riester verändert sich ab 2027

Bestehende Riester-Verträge laufen nach der Reform weiter und werden nicht automatisch umgestellt. Ab 2027 sollen keine neuen Verträge mehr nach dem alten Riester-Modell abgeschlossen werden; ein freiwilliger Wechsel in die neue geförderte Altersvorsorge kann möglich sein.

Wichtig: Einen bestehenden Vertrag nicht vorschnell kündigen. Zulagen, Steuervorteile, Garantien, Kosten, Rückkaufswert und mögliche Wechselregeln müssen vorher individuell geprüft werden. Die neuen Regeln erklären wir ausführlich im Sonderkapitel zum Altersvorsorgedepot.

Vergleiche mit denselben Fragen

  • Wie viel kommt aus eigener Einzahlung, Arbeitgeberbeitrag und Förderung?
  • Welche Kosten entstehen während der gesamten Laufzeit?
  • Wie flexibel sind Beitrag, Anbieterwechsel, Kündigung und Zugriff?
  • Welche Garantien gibt es – und was kosten sie an Renditechance?
  • Wie werden Kapital und Rente später ausgezahlt und behandelt?
  • Was passiert im Todesfall und wer erhält welche Leistung?

Dein Vertrags-Check

  1. Vertrag, Standmitteilung und Produktinformationen sammeln.
  2. Garantierte und mögliche Leistungen getrennt notieren.
  3. Effektivkosten und weitere Gebühren vergleichen.
  4. Flexibilität und Folgen eines frühen Ausstiegs prüfen.
  5. Förderung, Steuern und Auszahlung individuell einordnen lassen.
Zu viele Begriffe auf einmal?Im Workshop sortieren wir die Zusammenhänge verständlich – ohne Produktshow.
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03 · Nicht nur ans Einzahlen denken

Plan nicht nur den Start. Auch das Später.

Viele Vorsorgepläne enden bei einer großen Zahl zum Rentenbeginn. Dabei beginnt dort die nächste Aufgabe: Aus Vermögen soll über viele Jahre verlässlich Geld zum Leben werden.

Aufbau und Auszahlung brauchen unterschiedliche Fragen

Feste AusgabenWelche regelmäßigen Einnahmen sollen Wohnen, Alltag und Versicherungen abdecken?
Flexibles VermögenWelcher Teil soll für Reisen, größere Anschaffungen oder Veränderungen erreichbar bleiben?
ReserveWas bleibt für Reparaturen, Gesundheit und unerwartete Ausgaben verfügbar?

Drei Risiken, die später wichtig werden

Langes Leben

Niemand weiß genau, wie lange das Kapital reichen muss. Eine lebenslange Rente kann dieses Risiko teilweise absichern.

Kaufkraft

Steigende Preise können dazu führen, dass derselbe Eurobetrag später weniger Alltag finanziert.

Schlechter Start

Starke Kursverluste direkt zu Beginn der Entnahme können besonders problematisch sein, wenn gleichzeitig verkauft werden muss.

Zu wenig Freiheit

Eine vollständige Verrentung kann planbar sein, lässt aber je nach Vertrag weniger frei verfügbares oder vererbbares Kapital.

Entnahmeregeln sind Modelle, keine Garantien.

Eine feste Prozentzahl kann zur Orientierung dienen. Ob sie trägt, hängt unter anderem von Laufzeit, Anlage, Kosten, Steuern, Inflation und Marktverlauf ab.

Vererbung gehört vor die Auszahlung

Depotvermögen, Versicherungsleistungen und lebenslange Renten werden im Todesfall unterschiedlich behandelt. Prüfe Bezugsrechte, Rentengarantiezeiten, Hinterbliebenenleistungen und erbrechtliche Folgen, bevor du dich auf eine Auszahlungsform festlegst.

Dein Plan darf mit dir älter werden

Prüfe regelmäßig, ob Einkommen, Familie, Verträge, Risikogefühl und Ziele noch zu deinem Plan passen. Häufig reicht eine ruhige Überprüfung in festen Abständen oder bei großen Lebensveränderungen. Ständiges Umschichten ist kein Qualitätsmerkmal.

Auszahlung von Anfang an mitdenken

  1. Schätze feste und flexible Ausgaben im Ruhestand getrennt.
  2. Vergleiche lebenslange Rente und flexible Kapitalentnahme.
  3. Plane einen verfügbaren Puffer für schwache Marktphasen.
  4. Prüfe Kaufkraft, Kosten, Steuern und mögliche Sozialabgaben.
  5. Regle Bezugsrechte und gewünschte Hinterbliebenenleistungen.

Quellen & weiterführende Informationen

Die Inhalte dienen der allgemeinen Finanzbildung und sind keine individuelle Anlage-, Versicherungs-, Steuer- oder Rechtsberatung. Leistungen, Förderungen, Kosten, Steuern und Sozialabgaben hängen von persönlichen Voraussetzungen, konkreten Verträgen und der jeweils geltenden Rechtslage ab.

Kurz gefragt

Die wichtigsten Fragen zur Altersvorsorge.

Reicht die gesetzliche Rente später aus?
Das hängt von deinen Ansprüchen und deinem gewünschten Lebensstandard ab. Nutze deine Renteninformation und die Digitale Rentenübersicht, schätze die spätere Kaufkraft und berücksichtige weitere betriebliche oder private Einkünfte. Eine pauschale Antwort für alle gibt es nicht.
Wie berechne ich meine Versorgungslücke?
Stelle dein gewünschtes Monatsbudget im Ruhestand den voraussichtlich verfügbaren Netto-Einkünften gegenüber. Rechne in heutiger Kaufkraft und nutze mehrere Annahmen für Inflation, Rendite, Kosten und Rentenbeginn. Das Ergebnis bleibt eine Planungsspanne, keine exakte Vorhersage.
Wann lohnt sich eine betriebliche Altersvorsorge?
Das hängt besonders von Arbeitgeberbeitrag, Eigenbeitrag, Vertragskosten, persönlichem Steuersatz, Sozialabgaben, Arbeitgeberwechsel und späterer Leistung ab. Ein hoher Arbeitgeberbeitrag kann attraktiv sein, ersetzt aber nicht die Prüfung des gesamten Vertrags.
Sollte ich einen bestehenden Vorsorgevertrag kündigen?
Nicht vorschnell. Prüfe zuerst Rückkaufswert, Garantien, Kosten, Förderung, Steuern, Zusatzbausteine und mögliche Alternativen wie Beitragsfreistellung oder Vertragsänderung. Eine Kündigung kann Vorteile endgültig beenden oder finanzielle Nachteile auslösen.
Ist ein Depot besser als eine Rentenversicherung?
Ein Depot ist häufig flexibler, trägt aber Markt- und Entnahmerisiken und bietet allein keine lebenslange Rente. Eine Rentenversicherung kann Langlebigkeit absichern, hat dafür Vertragsregeln und Kosten. Welche Lösung passt, hängt von Ziel, Zeitraum, Flexibilitätswunsch und konkretem Angebot ab.
Sollte ich bis zum Altersvorsorgedepot 2027 warten?
Du musst nicht untätig bleiben. Sammle schon jetzt deine Ansprüche, prüfe bestehende Verträge und kläre Budget sowie Ziele. Ob ein neues gefördertes Produkt ab 2027 für dich passt oder ein Wechsel sinnvoll ist, lässt sich erst anhand deiner Situation und der konkreten Angebote beurteilen.
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