Altersvorsorge bedeutet nicht, dein Leben für die nächsten 40 Jahre exakt vorherzusagen. Es bedeutet, vorhandene Ansprüche sichtbar zu machen, Annahmen ehrlich zu benennen und deinen Plan regelmäßig an dein Leben anzupassen.
Was du hast. Was du brauchst. Was offen ist.
Die Altersvorsorge wird häufig in drei Säulen aufgeteilt. Das ist ein guter Überblick – aber keine Einkaufsliste. Du brauchst nicht automatisch in jeder Säule einen neuen Vertrag. Entscheidend ist, was bei dir bereits vorhanden ist und wie die Bausteine zusammenspielen.
Hol deine Zahlen aus den Unterlagen
Sie zeigt bisher erworbene Ansprüche und Hochrechnungen der gesetzlichen Rente. Prüfe auch deinen Versicherungsverlauf.
Leistungsinformation, Arbeitgeberzuschuss, Kosten und Bedingungen findest du beim Versorgungsträger oder Arbeitgeber.
Notiere aktuellen Wert, Beiträge, garantierte und nicht garantierte Leistungen, Kosten und Verfügbarkeit.
Die Digitale Rentenübersicht kann Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge gebündelt anzeigen.
Brutto ist nicht netto. Später ist nicht heute.
Eine ausgewiesene Leistung sagt noch nicht automatisch, wie viel dir später zum Leben bleibt. Steuern, mögliche Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie die künftige Kaufkraft können das Ergebnis verändern. Außerdem beruhen Hochrechnungen auf Annahmen, die sich ändern können.
Renteninformationen und Standmitteilungen sind wichtige Planungsgrundlagen. Sie sind aber nicht in jedem Punkt eine garantierte Nettozahlung in heutiger Kaufkraft.
Deine Versorgungslücke – ohne Schockzahl
Überlege zuerst, welches monatliche Budget du im Ruhestand in heutiger Kaufkraft ungefähr brauchst. Ziehe davon die voraussichtlichen verfügbaren Einkünfte ab. Das Ergebnis ist keine endgültige Wahrheit, sondern eine Orientierung für deinen nächsten Schritt.
Rechne am besten mehrere Szenarien: vorsichtig, mittig und optimistisch. So siehst du, welche Annahmen deinen Plan besonders stark beeinflussen.
Dein Vorsorge-Überblick in fünf Schritten
- Renteninformation und Versicherungsverlauf prüfen.
- Betriebliche und private Ansprüche zusammentragen.
- Späteres Monatsbudget in heutiger Kaufkraft schätzen.
- Steuern, mögliche Sozialabgaben und Inflation mitdenken.
- Mit mehreren Szenarien statt nur einer Zahl arbeiten.
Nicht jeder Baustein passt zu jedem.
Altersvorsorge ist mehr als die Frage, welcher Fonds im Vertrag steckt. Förderung, Kosten, Garantien, Flexibilität, Steuern und die spätere Auszahlung gehören immer mit in den Vergleich.
Kann durch Arbeitgeberbeiträge oder Entgeltumwandlung aufgebaut werden. Prüfe Zuschuss, Kosten, Arbeitgeberwechsel und Belastungen in der Auszahlungsphase.
Kann eine lebenslange Rente absichern. Anlage, Garantien, Rentenfaktor, Kosten, Kapitaloption und Kündigungsfolgen unterscheiden sich je nach Vertrag.
Kann unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich gefördert sein. Das Kapital ist dafür langfristig gebunden und grundsätzlich auf eine lebenslange Rentenzahlung ausgerichtet.
Ist meist flexibel verfügbar und transparent. Es schwankt mit den gewählten Anlagen und sichert für sich allein keine lebenslange Auszahlung.
Auch bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung zählen Abschluss-, Verwaltungs- und Fondskosten, Vertragsregeln und Auszahlungsbedingungen. Genauso ist ein Depot nicht automatisch passend, nur weil es flexibel ist.
Betriebsrente: Zuschuss ist wichtig, aber nicht alles
Eine Beteiligung des Arbeitgebers kann die betriebliche Altersvorsorge attraktiver machen. Trotzdem lohnt sich der Blick auf den ganzen Vertrag: Wie hoch ist der tatsächliche Zuschuss? Welche Kosten fallen an? Was passiert beim Arbeitgeberwechsel? Und welche Steuern oder Sozialabgaben können später anfallen?
Riester verändert sich ab 2027
Bestehende Riester-Verträge laufen nach der Reform weiter und werden nicht automatisch umgestellt. Ab 2027 sollen keine neuen Verträge mehr nach dem alten Riester-Modell abgeschlossen werden; ein freiwilliger Wechsel in die neue geförderte Altersvorsorge kann möglich sein.
Wichtig: Einen bestehenden Vertrag nicht vorschnell kündigen. Zulagen, Steuervorteile, Garantien, Kosten, Rückkaufswert und mögliche Wechselregeln müssen vorher individuell geprüft werden. Die neuen Regeln erklären wir ausführlich im Sonderkapitel zum Altersvorsorgedepot.
Vergleiche mit denselben Fragen
- Wie viel kommt aus eigener Einzahlung, Arbeitgeberbeitrag und Förderung?
- Welche Kosten entstehen während der gesamten Laufzeit?
- Wie flexibel sind Beitrag, Anbieterwechsel, Kündigung und Zugriff?
- Welche Garantien gibt es – und was kosten sie an Renditechance?
- Wie werden Kapital und Rente später ausgezahlt und behandelt?
- Was passiert im Todesfall und wer erhält welche Leistung?
Dein Vertrags-Check
- Vertrag, Standmitteilung und Produktinformationen sammeln.
- Garantierte und mögliche Leistungen getrennt notieren.
- Effektivkosten und weitere Gebühren vergleichen.
- Flexibilität und Folgen eines frühen Ausstiegs prüfen.
- Förderung, Steuern und Auszahlung individuell einordnen lassen.
Plan nicht nur den Start. Auch das Später.
Viele Vorsorgepläne enden bei einer großen Zahl zum Rentenbeginn. Dabei beginnt dort die nächste Aufgabe: Aus Vermögen soll über viele Jahre verlässlich Geld zum Leben werden.
Aufbau und Auszahlung brauchen unterschiedliche Fragen
Drei Risiken, die später wichtig werden
Niemand weiß genau, wie lange das Kapital reichen muss. Eine lebenslange Rente kann dieses Risiko teilweise absichern.
Steigende Preise können dazu führen, dass derselbe Eurobetrag später weniger Alltag finanziert.
Starke Kursverluste direkt zu Beginn der Entnahme können besonders problematisch sein, wenn gleichzeitig verkauft werden muss.
Eine vollständige Verrentung kann planbar sein, lässt aber je nach Vertrag weniger frei verfügbares oder vererbbares Kapital.
Eine feste Prozentzahl kann zur Orientierung dienen. Ob sie trägt, hängt unter anderem von Laufzeit, Anlage, Kosten, Steuern, Inflation und Marktverlauf ab.
Vererbung gehört vor die Auszahlung
Depotvermögen, Versicherungsleistungen und lebenslange Renten werden im Todesfall unterschiedlich behandelt. Prüfe Bezugsrechte, Rentengarantiezeiten, Hinterbliebenenleistungen und erbrechtliche Folgen, bevor du dich auf eine Auszahlungsform festlegst.
Dein Plan darf mit dir älter werden
Prüfe regelmäßig, ob Einkommen, Familie, Verträge, Risikogefühl und Ziele noch zu deinem Plan passen. Häufig reicht eine ruhige Überprüfung in festen Abständen oder bei großen Lebensveränderungen. Ständiges Umschichten ist kein Qualitätsmerkmal.
Auszahlung von Anfang an mitdenken
- Schätze feste und flexible Ausgaben im Ruhestand getrennt.
- Vergleiche lebenslange Rente und flexible Kapitalentnahme.
- Plane einen verfügbaren Puffer für schwache Marktphasen.
- Prüfe Kaufkraft, Kosten, Steuern und mögliche Sozialabgaben.
- Regle Bezugsrechte und gewünschte Hinterbliebenenleistungen.