Das geplante Altersvorsorgedepot - alles, was du jetzt wissen musst.
Der Riester-Nachfolger. Ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot mit freier Investmentwahl - endlich auch mit ETFs, ohne Kapitalgarantie-Zwang, ohne die Riester-Auszahlungs-Falle. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Wir sortieren, was bekannt ist - und was noch unsicher.
- Geplanter Riester-Nachfolger - staatlich gefördertes Wertpapierdepot mit freier ETF-Auswahl, ohne Kapitalgarantie-Zwang. Politisch in Planung, noch nicht beschlossen.
- Zwei Förder-Säulen - direkte Zulagen vom Staat (Grundzulage + Kinderzulage) plus steuerliche Absetzbarkeit bis 3.000–4.500 €/Jahr.
- Heute schon mit ETF-Rente starten - auf das AVD zu warten verschenkt wertvolle Zinseszins-Zeit. Wenn es kommt, kombinierst du beides.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Stell dir vor: ein Wertpapierdepot, in dem du selbst investierst - gerne in Welt-ETFs - und das gleichzeitig staatliche Zulagen und Steuervorteile bekommt, ohne den Riester-Wirrwarr aus Kapitalgarantie und Verrentungspflicht. Genau das soll das Altersvorsorgedepot werden.
Die kurze Vorgeschichte
Das Altersvorsorgedepot entsteht im Rahmen der Reform der privaten Altersvorsorge. Im Sommer 2023 hat die Fokusgruppe private Altersvorsorge beim Bundesfinanzministerium einen Abschlussbericht vorgelegt - und der war eine ehrliche Bestandsaufnahme: Riester funktioniert nicht. Zu komplex, zu teuer, zu wenig Rendite, zu starr in der Auszahlung. Lösung der Fokusgruppe: ein neues Standardprodukt - das Altersvorsorgedepot.
Geplant war ursprünglich der Start zum 1. Januar 2026. Durch den Bruch der Ampel-Koalition Ende 2024 verzögerte sich die Gesetzgebung. Die neue Bundesregierung hat das Projekt grundsätzlich weiter im Programm, aber die Details werden gerade neu verhandelt.
Das Altersvorsorgedepot ist noch nicht abschließbar. Was wir hier beschreiben, basiert auf dem Referentenentwurf, den Eckpunkten der Fokusgruppe und den bisherigen politischen Aussagen. Einzelne Parameter (Förderhöhe, Auszahlungsregeln, Mindestrendite-Garantien) können sich noch ändern.
Was es können soll - die Eckpunkte
Aus den bisherigen Plänen kristallisieren sich diese Kernpunkte heraus:
- Freie Investmentwahl - du kannst in zertifizierte ETFs, Investmentfonds oder Mischportfolios investieren. Welt-ETFs (z. B. MSCI World, FTSE All-World) sollen ausdrücklich möglich sein.
- Keine zwingende Kapitalgarantie - der größte Unterschied zu Riester. Du kannst (musst nicht) auch komplett in Aktien-ETFs investieren. Höhere langfristige Rendite-Chance.
- Staatliche Zulagen - geplant ähnlich wie Riester, aber einfacher (z. B. fixe Grundzulage + Kinderzulage). Konkrete Zahlen stehen noch nicht final.
- Steuerliche Förderung - Beiträge sollen in der Einzahlphase steuerlich geltend gemacht werden können (vermutlich ähnlich Riester über Sonderausgabenabzug).
- Flexiblere Auszahlung - anders als bei Riester soll auch eine vollständige Kapitalauszahlung oder Auszahlplan möglich sein, nicht nur lebenslange Rente.
- Standardprodukt mit Kostendeckel - es soll ein staatlich kontrolliertes „Standard-Altersvorsorgedepot" geben, das günstig sein muss (Kosten-Obergrenzen geplant).
- Lock-in bis Renteneintritt - Zugriff frühestens ab 62/65 Jahre (genaue Altersgrenze noch in Diskussion).
Die genaue Förderhöhe (wie viel Zulage, wie viel max. absetzbar). Die Übertragung bestehender Riester-Verträge in ein Altersvorsorgedepot. Die Versteuerung im Erbfall. Die Mindest-Rendite-Garantie für das Standardprodukt. Wer behauptet, das alles schon zu wissen, spekuliert. Wer behauptet, das schon abschließen zu können - verkauft ein Produkt, das es noch nicht gibt.
Warum es überhaupt kommt - politische Notwendigkeit
Drei Gründe treiben die Reform:
- Riester ist verbraucht. Über 16 Mio. abgeschlossene Verträge, aber die meisten mit lächerlichen Renditen wegen Kostenstruktur. Politisches Eigentor.
- Demografischer Druck. Die gesetzliche Rente reicht für die kommenden Generationen nicht - private Vorsorge muss attraktiver werden.
- Internationale Beispiele wirken. Schwedens AP7, der amerikanische 401(k), das niederländische System - alles zeigt: Aktien-basierte, kosteneffiziente Altersvorsorge funktioniert.
Das Altersvorsorgedepot ist Deutschlands Versuch, von Riester (gescheitert) zu einer kapitalmarktnahen Altersvorsorge zu kommen - wie sie in anderen Ländern längst üblich ist.
Wie funktioniert die geplante Förderung?
Die Förderung soll auf zwei Säulen stehen: direkte Zulagen vom Staat plus steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge. Klingt nach Riester - soll aber einfacher, transparenter und renditestärker werden. Hier die Details, soweit bekannt.
Säule 1: Zulagen vom Staat
Analog zu Riester: Wer in das Altersvorsorgedepot einzahlt, bekommt vom Staat einen festen Zuschuss obendrauf. Geplante Eckwerte (Stand: Referentenentwurf, kann sich ändern):
- Grundzulage: ~175 € pro Jahr für jeden förderfähigen Sparer (heutiger Riester-Wert)
- Kinderzulage: ~300 € pro Jahr pro Kind, ggf. erhöht für jüngere Kinder
- Berufseinsteiger-Bonus: einmaliger Aufschlag für Sparer unter 25 (im Gespräch)
- Mindesteigenbeitrag: wahrscheinlich 4 % des Vorjahres-Bruttoeinkommens (wie bei Riester)
Konkret: Eine Familie mit zwei Kindern bekäme bei ausreichendem Eigenbeitrag etwa 775 € pro Jahr direkt vom Staat aufs Depot überwiesen. Das ist echte Rendite - auch wenn dein ETF im selben Jahr unter Wasser geht.
Säule 2: Steuerliche Absetzbarkeit
Die zweite Säule wirkt vor allem für Gut- und Spitzenverdiener:innen: Die Beiträge zum Altersvorsorgedepot sollen - bis zu einer Höchstgrenze - als Sonderausgaben die Einkommensteuer reduzieren.
Die Höchstgrenze ist noch in Diskussion. In den Modellen kursieren Werte zwischen 3.000 € und 4.500 € pro Jahr. Bei einem Spitzensteuersatz von 42 % bedeutet das eine direkte Steuerersparnis von bis zu ~1.260–1.890 € pro Jahr - die du sofort als Steuerrückerstattung erhältst.
Singles, 35, Bruttogehalt 60.000 €/Jahr, Steuersatz ~36 %. Einzahlung 3.000 € ins Altersvorsorgedepot:
· Grundzulage vom Staat: 175 €
· Steuerersparnis: 36 % von 3.000 € = ~1.080 €
· Gesamtförderung: ~1.255 € (= 41,8 % der Einzahlung)
· Effektive Eigenbelastung: 1.745 €
· Endkapital nach 30 Jahren bei 7 % Rendite p. a.: ~283.000 €
Auszahlungsphase - die echte Neuerung
Hier wird's spannend: Anders als bei Riester soll die Auszahlung deutlich flexibler werden. Geplante Optionen:
- Vollauszahlung als Kapital - möglich (bei Riester nicht!)
- Auszahlplan - z. B. monatliche Auszahlung über 20 Jahre, du behältst Kontrolle
- Lebenslange Rente - wer will, kann verrentung (Langlebigkeits-Schutz)
- Kombination - Teil-Kapitalauszahlung + Teil-Rente
Versteuerung bei Auszahlung: vermutlich nach dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Das bedeutet: Du zahlst während der Einzahlphase wenig Steuern (du hast Förderung), aber bei Auszahlung wird's voll versteuert. Klingt fies - ist aber meistens vorteilhaft, weil dein Steuersatz in der Rente meist niedriger ist als im Berufsleben.
Wer ist förderberechtigt?
Die Förderung soll deutlich weiter gefasst werden als bei Riester:
- Alle Angestellten mit unbeschränkter Steuerpflicht in Deutschland
- Beamte (bei Riester war das schon dabei)
- Selbstständige (NEU - bei Riester nur über Umwege möglich)
- Wahrscheinlich auch Studierende und Berufsanfänger:innen (mit reduzierter Mindesteigenbeitrag-Pflicht)
- Erwartete Ausnahme: Personen ohne Steuerpflicht in Deutschland
Einige Anbieter werben mit „Altersvorsorgedepots", die es noch gar nicht gibt - oder verkaufen unter dem Namen bestehende Produkte (z. B. fondsgebundene Rentenversicherungen), die nicht dem geplanten Standard entsprechen. Solange das Gesetz nicht beschlossen ist, kann es kein echtes Altersvorsorgedepot geben. Lass dich nicht zum vorzeitigen Abschluss drängen.
Wie passt es in deine Vorsorge-Strategie?
Das Altersvorsorgedepot wird die Vorsorge-Landschaft neu sortieren - aber es ist kein Allheilmittel. Hier zeigen wir, wie es sich im Vergleich zu deinen aktuellen Optionen (Riester, ETF-Rente, freies ETF-Depot) schlägt - und was das für deine Strategie heute heißt.
Direktvergleich - die vier Optionen nebeneinander
| Merkmal | Altersvorsorgedepot (geplant) | ETF-Rente | ETF-Depot |
|---|---|---|---|
| Staatliche Zulagen | ✓ Ja (geplant) | ✗ Nein | ✗ Nein |
| Steuern Einzahlphase | Beiträge absetzbar | Aus Netto eingezahlt | Aus Netto eingezahlt |
| Steuern Ansparphase | Stundung (geplant) | Stundung | Vorabpauschale ab 2018 |
| Steuern Auszahlung | Nachgelagert (voll) | Halbeinkünfteverfahren (12+ J., 62+) | 26 % Abgeltungssteuer |
| Kapitalauszahlung | ✓ Geplant möglich | ✓ Möglich | ✓ Jederzeit |
| Lebenslange Rente | Optional (geplant) | ✓ Standard-Option | ✗ Nicht möglich |
| ETF-Auswahl | Eingeschränkt auf zertifizierte ETFs | Freie ETF-Auswahl (gute Anbieter) | Vollständig frei |
| Vor Rente abrufbar | ✗ Erst ab 62/65 | Begrenzt (Rückkauf möglich) | ✓ Jederzeit |
| Kosten (Schätzung) | Niedrig (Standardprodukt geplant) | ~0,5–1 % p. a. (moderne Anbieter) | ~0,2 % p. a. (nur TER) |
| Status | Noch nicht beschlossen | Heute verfügbar | Heute verfügbar |
Für wen wird das Altersvorsorgedepot besonders interessant?
Drei Profile profitieren am meisten von den geplanten Konditionen:
- Familien mit Kindern. Die Kinderzulagen können sich aufsummieren. Bei zwei Kindern + Grundzulage rechnet sich das Depot meist sehr stark.
- Gut- und Spitzenverdiener:innen. Die Steuerersparnis bei 42 % Spitzensteuersatz ist enorm - bis zu ~1.900 € Sofort-Vorteil pro Jahr.
- Selbstständige, die bisher kein vergleichbares staatlich gefördertes Produkt hatten.
Für wen wird's eher uninteressant?
- Wer absolute Flexibilität braucht - kein Zugriff vor 62/65 ist ein hoher Preis.
- Wer schon hohe Beiträge in andere Vorsorge zahlt und über der Förderhöchstgrenze ist.
- Wer früh in Rente will (FIRE-Strategie) - der Lock-in passt nicht zum Plan.
- Wer eher unterhalb des durchschnittlichen Einkommens liegt und die Steuersparvorteile nicht voll nutzen kann (Zulagen reichen aber für viele schon).
Was tun, solange das Gesetz noch nicht da ist?
Stillstand ist die schlechteste aller Optionen. Wer heute auf das Altersvorsorgedepot wartet, verliert wertvolle Zeit - und damit Zinseszins-Wirkung. Realistisch empfehlen wir:
- Heute starten mit ETF-Rente + ETF-Depot. Beide Töpfe sind sofort verfügbar und liefern die gleichen Markt-Renditen. Steuervorteile der ETF-Rente sind bereits real.
- Beobachten, was kommt. Wenn das Altersvorsorgedepot 2026/2027 startet, kannst du es als dritten Topf in deine Strategie aufnehmen - nicht als Ersatz.
- Beiträge anpassen, nicht alles umwerfen. Wenn das Altersvorsorgedepot kommt, lenkst du eventuell einen Teil neuer Beiträge dorthin - bestehende ETF-Rente läuft weiter.
- Bei Riester: nicht mehr neu abschließen. Bestehende Verträge mit hohen Garantiezinsen prüfen - manche lohnen sich noch.
Im Workshop besprechen wir mit dir: Wo macht eine ETF-Rente heute schon Sinn? Wann lohnt es sich, auf das Altersvorsorgedepot zu warten? Wie kombinierst du beides klug? Wir bauen deine Strategie so, dass sie zukunftsfähig ist - auch wenn die Politik nachjustiert.
Eine moderne ETF-Rente mit niedrigen Kosten ist heute das beste verfügbare Produkt. Sobald das Altersvorsorgedepot kommt, wird sie nicht plötzlich schlecht - sie hat eigene Vorteile (lebenslange Rentenoption, flexiblere Versicherungsstruktur). Wer heute ETF-Rente abschließt und morgen das Altersvorsorgedepot ergänzt, ist breit aufgestellt - mit zwei steueroptimierten Töpfen für die echte Altersvorsorge.
Dein 5-Punkte-Fahrplan zum Altersvorsorgedepot
- Status verstehen - du weißt jetzt, was geplant ist und was nicht. Wer dir was vorzeitig verkauft, ist suspekt.
- Heute parallel starten mit ETF-Rente + ETF-Depot - Zeit ist Zinseszins.
- Newsletter / News-Tracking einrichten (Finanztip, Bundesfinanzministerium) - beobachten ohne hektisch zu handeln.
- Bei Beschluss: Beratung holen - gerne im Workshop. Wir setzen das Depot nicht selbst auf, helfen dir aber, es richtig zu integrieren.
- Bestehendes prüfen, nicht stornieren - Riester kündigen oft teuer, ETF-Rente bleibt weiter wertvoll.
Was Leser:innen am häufigsten fragen.
Wann kommt das Altersvorsorgedepot wirklich?
Ursprünglich war Start zum 1. Januar 2026 geplant. Durch den Bruch der Ampel-Koalition Ende 2024 verzögerte sich die Gesetzgebung. Die neue Bundesregierung hält das Vorhaben grundsätzlich am Leben, verhandelt aber die Details neu. Realistisches Startdatum: 2027 oder später. Wir halten dich im Workshop und über unsere Kanäle aktiv informiert.
Soll ich heute schon meinen Riester-Vertrag kündigen?
Nicht voreilig. Riester kündigen kostet meist Geld (Stornokosten, verlorene Zulagen). Erst prüfen: Ist es ein guter, alter Vertrag mit hohem Garantiezins (3,5–4 %)? Dann eher behalten. Schlechter Vertrag mit hohen Kosten? Vielleicht beitragsfrei stellen statt kündigen. Im Workshop schauen wir uns deinen konkreten Vertrag an.
Wie viel staatliche Förderung kann ich erwarten?
Geplante Eckwerte: Grundzulage ~175 €/Jahr, Kinderzulage ~300 €/Jahr pro Kind, plus steuerliche Absetzbarkeit bis zu 3.000–4.500 €/Jahr. Konkrete Beispielrechnung: bei 60.000 € Brutto-Einkommen und 3.000 € Einzahlung kommen ca. 1.255 € Gesamtförderung zusammen (~42 % der Einzahlung). Beachte: alle Zahlen können sich noch ändern.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
Stand Mai 2026 noch nicht abschließend geklärt. Im Gespräch ist eine freiwillige Übertragung bestehender Riester-Guthaben ins Altersvorsorgedepot. Das könnte für viele Sparer attraktiv werden - aber die Details (Übertragungskosten, Bedingungen) stehen noch nicht fest. Bis dahin: laufende Verträge nicht überstürzt anfassen.
Lohnt es sich, bis zum Start zu warten?
Nein. Stillstand kostet Zinseszins-Zeit - und das ist exponentiell. Wer 2 Jahre wartet, verliert nicht nur 2 Jahre Einzahlung, sondern auch deren Wachstum über alle Folgejahre. Strategie: heute mit ETF-Rente + ETF-Depot starten, das AVD sobald verfügbar als dritten Topf ergänzen.
Kann ich das Altersvorsorgedepot später wieder kündigen?
Nach jetzigem Stand: Lock-in bis Renteneintritt (62/65 Jahre, noch in Diskussion). Vorzeitige Kündigung wäre - wie bei Riester - mit Verlust der Förderung verbunden. Plane das Geld also wirklich für die Altersvorsorge, nicht für mittelfristige Ziele. Für flexible Mittelfristziele bleibt das ETF-Depot besser.
Wenn dich das interessiert hat, lies auch:
Rente & Altersvorsorge
Das Hauptkapitel zur Altersvorsorge - drei Säulen, Riester/Rürup/ETF-Rente verglichen.
Kapitel öffnen →Investieren für Einsteiger
ETFs in Depot + Versicherungsmantel - die Basis, auf die das Altersvorsorgedepot aufbaut.
Kapitel öffnen →Sparstrategien
Pay-yourself-first und klare Sparziele - die Voraussetzung für jeden Vorsorge-Schritt.
Kapitel öffnen →Wir bleiben für dich am Ball.
Sobald das Altersvorsorgedepot rechtskräftig ist, integrieren wir es in unsere Beratung. Bis dahin starten wir mit dir mit ETF-Rente + Depot - sodass du keine Zeit verlierst und gleichzeitig flexibel bleibst, wenn das neue Produkt kommt.
Workshop kostenlos sichern →150 Min · 100% kostenlos · Kein Verkaufsdruck
